Schulungszentrum

Traumatisierungsketten durchbrechen – Handlungsunsicherheiten überwinden – Schutzsysteme stärken

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Da viele Asylsuchende vor, während oder nach ihrer Flucht nach Deutschland eine Reihe traumatischer Erlebnisse hatten, ist eine professionelle Betreuung bzw. Behandlung unbedingt notwendig um solche Traumatisierungsketten zu durchbrechen.

Das Projekt, welches im Juli 2018 startete, soll unter anderem Schutzsysteme für traumatisierte Asylsuchende stärken. Dafür ist es notwendig, dass der Zugang zu psychosozialen Betreuungseinrichtungen erleichtert wird und weitere Handlungsunsicherheiten seitens der Behandelnden überwunden werden. Zudem sollen bestehende Behandlungsstrukturen ausgebaut und weiter professionalisiert werden.

Die Ziele des Projekts werden auf drei Ebenen verfolgt:

Im Aufnahmesystem, d.h. auf der Ebene des Ankommens und der Orientierung hier in Deutschland während des Asylverfahrens, soll die Früherkennung von psychisch erkrankten und/oder traumatisierten Personen verbessert werden. Betroffene sollen direkt über mögliche Behandlungen und Betreuung aufgeklärt werden. Außerdem soll die mobile Beratung in Unterkünften weiterentwickelt werden.

Im Schutzsystem „Psychosoziales Zentrum für Flüchtlinge und Folteropfer“ werden eine Reihe von qualitätsverbessernden Maßnahmen in den Bereichen (Psycho)Soziale Arbeit als auch der Psychotherapie durchgeführt. Diese beinhalten die Evaluation und Weiterentwicklung bestehender Interventionen und die Stärkung der Handlungssicherheit in der Psychotherapie auch im Umgang mit besonders schwierigen Fällen.

Im Gesundheitssystem werden die strukturellen Bedingungen der psychosozialen Betreuung und Behandlung Asylsuchender analysiert. Es soll beispielsweise eine Optimierung der Sprachmittlung während der Behandlung stattfinden. Auch in der (Fach-)Öffentlichkeit soll für die speziellen Versorgungsbedarfe im Kontext „Flucht und Trauma” sensibilisiert werden.

Ziel des Projektes ist es, die Projektmaßnahmen innerhalb der Systeme miteinander zu vernetzen und ein bereichsübergreifendes Konzept zur Versorgung vulnerabler Asylsuchender zu erstellen und damit ein Beitrag zur Verbesserung der Qualität, Effektivität und Effizienz des Gesundheitswesens hinsichtlich der Rehabilitation von Folteropfern und traumatisierten Asylsuchenden zu leisten.

Das Psychosoziale Zentrum für Flüchtlinge (PsZF) des refugio thüringen e.V. konzentriert sich insbesondere auf den Teilbereich Gesundheitssystem.

Dieses Projekt wird aus Mitteln der Allgemeinen Migrations- und Integrationsfonds kofinanziert. Die EU-Förderung versetzt refugio thüringen e.V. in die Lage, ein strukturfokussiertes Projekt durchzuführen im Sinne der nachhaltigen Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung besonders schutzbedürftiger Geflüchteter. Das Projekt wäre ohne diese Förderung nicht realisierbar gewesen.

Projektpartner

  • IBIS – Interkulturelle Arbeitsstelle e.V. (Oldenburg)
  • KOMMMIT e.V. (Brandenburg)
  • MFH Bochum – Medizinische Flüchtlingshilfe e.V.
  • NTFN – Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen e.V. (Hannover)
  • PSZ Düsseldorf – Psychosoziales Zentrum für Flüchtlinge
  • PSZ Sachsen-Anhalt – Psychosoziales Zentrum für Migrantinnen und Migranten Sachsen-Anhalt
  • REFUGIO Bremen – Psychosoziales Zentrum für ausländische Flüchtlinge e.V.
  • REFUGIO München – Beratungs- und Behandlungszentrum für Flüchtlinge und Folteropfer e.V.
  • Refugio Stuttgart – Psychosoziales Zentrum für traumatisierte Flüchtlinge e.V.
  • REFUGIO Thüringen – Psychosoziales Zentrum für Flüchtlinge e.V.
  • Zentrum Überleben gGmbH (Berlin)

Zielgruppen

1) Ambulante sowie stationäre Psychotherapeut*innen, Ärzt*innen und psychotherapeutische Ausbildungsinstitute

Das Schulungszentrum soll erstens die fachliche Vernetzung und den Austausch innerhalb Thüringens intensivieren sowie zweitens ein flexibles, bausteinartiges Fortbildungs- und Schulungsprogramm anbieten, das dem Abbau der bestehenden Hindernisse zum Zugang von vulnerablen Flüchtlingen in die Regelversorgung dient.

Dazu gehören insbesondere Module zu den Themen:

  • therapeutische Behandlung mit Hilfe von Dolmetscher*innen
  • Rechtliches, Abrechnungsverfahren von Therapie und Dolmetscher*innenkosten
  • Istanbul-Protokoll
  • Diagnostik und Behandlung von traumatisierten Flüchtlingen
  • Sensibilisierung für den interkulturellen Kontext
  • Besonderheiten bei der Behandlung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen

2) Leistungs- und Entscheidungsträger*innen (Ämter, Ausländerbeauftragte, Einrichtungen der Jugendhilfe, Schulen und Kitas etc.)

Den in diesem Bereich bestehenden Unwissenheiten, Unsicherheiten oder gar Vorbehalten bezüglich Flüchtlingen soll mit Wissensvermittlung und Sensibilisierung begegnet werden. Die Mitarbeitenden sollen in die Lage versetzt werden, die besondere Schutzbedürftigkeit traumatisierter Flüchtlinge zu erkennen und danach zu handeln. So sollen deren medizinische und materielle Bedürfnisse sichergestellt werden.

Konkret sollen die für diese Zielgruppe angebotenen Schulungen folgende Bereiche umfassen:

  • Sensibilisierung für den interkulturellen Kontext
  • gesundheitliche Folgen von Flucht und Migration
  • Einführung in die Arbeit mit Dolmetscher*innen
  • Besonderheiten im Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen
  • ggf. Einführung in die Lebenssituation von Flüchtlingen in Deutschland und Thüringen

3) Dolmetscher*innen

Die Hilfe von Dolmetscher*innen ist in der Arbeit mit Flüchtlingen unerlässlich. Um dem Mangel an qualifizierten Dolmetscher*innen entgegenzuwirken und zugleich eine langfristige Zusammenarbeit mit ihnen zu sichern, müssen sowohl regelmäßige Supervisionen als auch bedarfsgerechte Schulungen angeboten werden.

Im Einzelnen beinhalten die Schulungen für Dolmetscher*innen folgende Schwerpunkte:

  • Sensibilisierung für den interkulturellen Kontext
  • Einführung in die Lebenssituation von Flüchtlingen in Deutschland und Thüringen
  • Dolmetschertechniken
  • Grundlegende Kenntnisse zu Krankheitsbegriffen und Behandlungstechniken
  • Einführung in asylrechtliche Begrifflichkeiten sowie Behördenstrukturen

Die Durchführung bedarfsangepasster Qualifizierungsveranstaltungen mit Blick auf diese drei Zielgruppen wird sowohl von den MitarbeiterInnen des PsZF als auch über die Vermittlung von kompetenten Partnern abgedeckt und kann auch in bereits bestehende Fortbildungsreihen anderer Akteur*innen eingebettet werden.