die farbe der macht

nicht die farbe der haut
die farbe der macht
entscheidet

rassismus ist das bleibe gesicht
der gewalt
die sich in deutschland wieder zunehmend offen
in südafrika immer schon
ungeschminkt
zeigt

die farbe der macht
mit der sich Einwanderer in südafrika
als Afrikaner bezeichnen
und die scharzen Bewohner
als eingewanderte Bantus ausweisen
ist die gleiche
mit der sich Einwanderer in den usa
als amerikaner erweisen
und die eigentlichen amerikaner
als „Indianer“ beschreiben

nicht die farbe der haut
die farbe der macht
entscheidet
für oder gegen das leben

von May Ayim[1]

***********english version below***********

Der 21. März ist Internationaler Tag gegen Rassismus.

Das Datum geht zurück auf das „Massaker von Sharpeville“ im Jahr 1960. Während einer Demonstration gegen die rassistischen Apartheidgesetze in der südafrikanischen Stadt schossen Polizist*innen in die Menge friedlicher Demonstrant*innen. 69 Menschen wurden dabei getötet, mindestens 180 weitere zum Teil schwer verletzt. Sechs Jahre später riefen die Vereinten Nationen den 21. März zum Gedenktag aus.

Seitdem soll an diesem Tag nicht nur den Ermordeten von damals sowie den zahlreichen weiteren Menschen gedacht werden, die rassistisch motivierte Gewalt, Diskriminierung und Ausbeutung erlebt haben und erleben. Hingegen erinnert uns dieser Tag auch heute noch daran, dass der Kampf gegen Rassismus eine Aufgabe ist, die weiter fort besteht – auch für uns als REFUGIO.

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March 21st is International Day for the Elimination of Racial Discrimination.

The date dates back to the „Sharpeville Massacre“ in 1960. During a demonstration against the racist apartheid regime in the South African city, police shot into the crowd of peaceful demonstrators. 69 people were killed and at least 180 others were injured, some seriously. Six years later, the United Nations proclaimed March 21st a day of remembrance.

Since then, this day is not only intended to commemorate those murdered at that time, as well as the numerous other people who have experienced and continue to experience racially motivated violence, discrimination and exploitation. On the other hand, this day still reminds us today that the fight against racism is a task that continues – also for us as REFUGIO.

 

 

[1] May Ayim (1960-1996) – Autorin, Aktivistin, Pädagogin, Mitbegründerin der afrodeutschen Frauenbewegung (ADEFRA) in den 1980er Jahren – setzte sich in ihrer Lyrik kritisch mit Rassismus und dem Umgang mit der kolonialen Vergangenheit auseinander und machte mit ihrem Werk stärker auf afrodeutsches Leben aufmerksam.

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May Ayim (1960-1996) – author, activist, educator, co-founder of the Afro-German Women’s Movement (ADEFRA) in the 1980s – critically addressed racism and the treatment of the colonial past in her poetry and drew further attention to Afro-German lives.