Der 8. März ist Internationaler Frauen*tag. Seit über 100 Jahren wird an diesem Tag weltweit

die Rechte von Frauen* und Queers und bestehende Diskriminierungen aufmerksam gemacht und für die Gleichstellung von Geschlechtern gekämpft.

Frauen* & Queers werden weltweit nach wie vor stark benachteiligt. Und das obwohl sie zumeist deutlich massiver von Armut, Hunger und mangelnder Gesundheitsversorgung betroffen sind. In Armut geborene Mädchen haben eines Berichts der Vereinten Nationen zufolge fast keine Chancen, dieser zu entkommen. Im Vergleich zu der bereits hohen Zahl von etwa zehn Millionen Jungen, welche keine Schule besuchen, ist die Zahl der 15 Millionen Mädchen im Grundschulalter ohne Schulbildung erschreckend. Zugang zu Bildung, Kinderbetreuung und Antidiskriminierungsarbeit seien der Schlüssel dazu, den Kreislauf der Armut für sie zu durchbrechen.

Frauen*, Mädchen* und Queers sind im erhöhten Maß von sexualisierte Gewalt und Übergriffen betroffen. Weltweit erlebt jede dritte Frau* und/oder queere Person im Laufe ihres Lebens Gewalt. Bei einer Weltbevölkerung von rund sieben Milliarden ergibt das mehr als eine Milliarde Betroffene. Die Formen der Gewalt sind vielfältig und finden zumeist im häuslichen oder privaten Kontext statt. Die Thüringer Polizeistatistik berichtete 2018 fast 3000 Fälle von häuslicher Gewalt, in ca. 78% waren Frauen* und Mädchen* betroffen. Pro Tag erleben also ungefähr 6 Frauen* und Mädchen* in Thüringen häusliche Gewalt. Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau* durch ihren Partner oder Expartner getötet. Es wird angenommen, dass die Gewalttaten im häuslichen Kontext durch die Corona-Pandemie sogar noch ansteigen.

Es gibt zahlreiche Formen von Gewalt, welche vorwiegend Frauen* betreffen. Beispielsweise sind weltweit über 200 Millionen Frauen* von FGM/C (Female Genital Mutilation/Cutting) betroffen, drei Millionen Mädchen* sind davon bedroht. Allein in Deutschland leben 68.000 Frauen*, die FGM/C über sich ergehen lassen mussten. Viele Frauen* sind auch in Deutschland von Zwangsverheiratung betroffen. Wie hoch die Zahl der Betroffenen ist, lässt sich derzeit nur schätzen, es wird jedoch von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen.

Die Benachteiligung von Frauen* und Queers geht jedoch weit über individuelle Erfahrungen hinaus und ist strukturell verankert. Deutlich wird das zum Beispiel in Asylverfahren, in denen die massiven Gewalterfahrungen, z.B. durch FGM/C nicht oder nur ungenügend betrachtet werden, wodurch sich die prekäre Lage der betroffenen, schutzbedürftigen Personengruppe verschärft. Obwohl in Deutschland zumeist ein Drittel der Asylbewerber*innen Frauen* sind, herrscht ein Mangel an Expertise und Zusammenhangswissen bei Entscheider*innen, Mediziner*innen oder Jurist*innen.

Ebenso werden reproduktive Rechte von Frauen* in vielen Ländern eingeschränkt – zu ihnen gehört etwa das Recht auf ein selbstbestimmtes Sexualleben, auf den Zugang zu effektiven Verhütungsmitteln sowie auf Gesundheitsvorsorge für eine sichere Schwangerschaft und Geburt.

Die strukturelle Benachteiligung wird vor allem auch dadurch sichtbar, dass obwohl alle Geschlechter gesetzlich gleichgestellt sind in Deutschland, die praktischen Lebensrealitäten von diesem Bild abweichen. Der sogenannte „Gender Pay Gap“ dient als prominentes Beispiel dafür, wonach Frauen im Schnitt circa 21 Prozent weniger Brutto-Gehalt bekommen als Männer.

In Jena wird am 08. März zu verschiedenen Veranstaltungen durch das Frauen*Streik Bündnis Jena eingeladen. Unter dem Motto: „Die Krise steckt im System – Auf zum feministischen Streik gegen den Normalzustand!“ werden von 11:00 – 17:00 zahlreiche Kundgebungen in Lobeda und Göschwitz stattfinden. Mehr Informationen gibt es unter: https://www.facebook.com/events/255209426100166

* Menschen werden in dieser Gesellschaft bei ihrer Geburt in Männer und Frauen (und seit 2018 in divers) eingeteilt. Diese Geschlechtseinteilung und die damit verbundenen Rollen entsprechen nicht den vielfältigen Lebensrealitäten von Menschen.