Fast 70 Experten und Interessierte trafen sich 12 Tage vor dem Europäischen Tag gegen Menschenhandel am 6. Oktober 2020 in Erfurt zum Fachtag „Menschenhandel in Thüringen“. Dazu eingeladen hatten die Beauftragte für Integration, Migration und Flüchtlinge des Freistaates Thüringen, ECPAT Deutschland – Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung und refugio thüringen e. V.

Foto: Begrüßung der Thüringer Beauftragten für Integration, Migration und Flüchtlinge Mirjam Kruppa

Einige Schlaglichter: Frau Wirsching vom bundesweiten Koordinierungskreis gegen Menschenhandel führte mit ihrem Referat in das Thema ein. Menschenhandel scheint weit weg zu sein. Aber neben der Sexarbeit und dem Kontext Flucht sind bestimmte Branchen wie die Landwirtschaft, Baugewerbe, Gastronomie, häusliche Pflege oder fleischverarbeitenden Industrie anfällig. Zumeist ist es auch für die Polizei schwierig, die Opfer als Opfer zu erkennen. Frau Jäger vom LKA Berlin berichtet, dass sie präventive Kontrollen durchführen. Ein anderer Zugangsweg besteht durch Beratungsstellen für Betroffene.

In Arbeitsgruppen diskutierten die Vetreter*innen u. a. von Polizei, dem LKA, der Jugendhilfe, von Stadtverwaltungen und Wohlfahrtsverbänden anhand von Fallbeispielen, wie Betroffene als Opfer von Menschenhandel identifiziert werden können. Erwartungen an eine Fachberatungsstelle in Thüringen wurden artikuliert: ein aktives, transparentes Netzwerk vorhalten, die Begleitung weiterer Verfahren absichern, Zuverlässigkeit und Vertrauen.

Thüringen ist bundesweit das einzige Land, in dem es keine strukturelle Unterstützung für Opfer von Menschenhandel gibt. Der Verein refugio thüringen e. V. ist derzeit beim Aufbau einer Beratungsstelle. Ende des Jahres wird sich entscheiden, ob ein entsprechendes Konzept mittels einer Förderung von Aktion Mensch umgesetzt werden kann.

Foto: Begrüßung durch Christine Müller, Geschäftsführung des psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge und Folteropfer REFUGIO Thüringen