Besonderheiten in der Therapie mit Geflüchteten

Besondere Belastungen von Geflüchteten?

Die psychischen Belastungen von Geflüchteten sind gekennzeichnet von ihren Fluchtgründen, der Fluchtgeschichte sowie dem Ankommen in einem anderen Land. Konkrete Erfahrungen können dabei sein:

  • Kriminelle Schlepper, Vergewaltigung, Hunger und Durst, Todesgefahren
  • Verfolgungs-, Gefängnis- und Lagererfahrung
  • Trennung und Verlust von Bezugspersonen
  • UMF: Zwangsrekrutierung als Kindersoldaten, weibliche Genitalverstümmelung, familiäre Gewalt, Kinderzwangsarbeit, Zwangsverheiratung
  • Ungewissheit der Anerkennung als Flüchtling im Aufnahmeland; Diskriminerungserfahungen

Viele Therapeut*innen haben Bedenken, mit Geflüchteten zu arbeiten, da sie sich selbst nicht als Expert*innen für Traumatherapie sehen bzw. Respekt vor der sehr belastenden Arbeit haben. Häufig geht es in den Therapien aber auch um Stabilisierung und nicht unbedingt ausschließlich um Traumabewältigung. Die meisten approbierten Psychotherapeut*innen bringen daher das Handwerkszeug mit, auch mit Geflüchteten zu arbeiten. Für Fragen und weitere Bedenken können Sie sich gern an uns wenden!

Therapie mit Dolmetschenden

Eine besondere Herausforderung in der Psychotherapie mit geflüchteten Menschen ist häufig die Sprache. Können sich Therapeut*in und Patient*in nicht fließend auf einer gemeinsamen Sprache unterhalten, muss für eine gelingende Therapie ein*e Dolmetscher*in hinzugezogen werden.Viele Therapeut*innen sind anfangs skeptisch, was eine „Psychotherapie zu dritt“ angeht. Erfahrungen zeigen jedoch, dass eine gut aufeinander abgestimmte Arbeit zwischen Therapeut*in und Dolmetscher*in eine erfolgreiche Psychotherapie ermöglicht.

Die Behandlung kann nur so gut sein, wie die Dolmetscher*innen ihren Übersetzungstätigkeiten nachkommen. Ein Einsatz von geschulten Sprach- und Kulturmittler*innen ist unbedingt erforderlich, keine übersetzenden Verwandten oder Bekannten!

Die professionelle Sprachmittler*in trägt maßgeblich dazu bei, eine vertrauensvolle Grundlage zu schaffen. Sie gibt den Sprechinhalt wieder und bezieht kulturelle Dimensionen in das Gespräch mit ein. Sie kennt die Perspektive der Berater*in und der Klient*in und kann beide in ein Verhältnis zueinander setzen.

Wie kann die Therapie mit Sprach- und Kulturmittler*innen gelingen?

Aus unserer langjährigen Erfahrung sind in der Arbeit mit Sprach- und Kulturmittler*innen folgende Faktoren zu beachten:

Hintergründe kultureller Konnotationen weitergeben.

Inhalt: Möglichst nahe am Inhalt übersetzen, der Inhalt ist wichtiger als die korrekte grammatische Übersetzung.

Kurz: Um kurze Sätze bitten!

Vorgespräch mit Dolmetscher*in vor Einsatz durchführen- gegenseitiges Kennenlernen, Dolmetscher*in soll über Inhalt bzw. Ziel der Beratung/ Therapie informiert werden.

Die Verantwortung der Gesprächsführung liegt bei Therapeut*in!

Rollenklärung im Erstgespräch: Alle Infos sind für Therapeut*in bestimmt à „Ich werde alles was Sie sagen, weitergeben, weil es meine Pflicht ist!“.

Nachfrage: Wie kommt Klient*in mit Übersetzung zu Recht?

Zurückgeben: Wenn Klient*in etwas nicht versteht à Therapeut*in erklärt und antwortet- nicht Dolmetscher*in!

Unparteilichkeit: Dolmetscher*in darf nicht zum „Verbündeten“ der Klient*in werden à Nachfragen: Warum soll etwas nicht übersetzt werden?

Nachbesprechung: Zeit nehmen zum Nachbesprechen der Therapiesitzung! Wo gab es Verständnisschwierigkeiten? Gab es kulturelle Aspekte, die im Gespräch eine Rolle gespielt haben?

Übersetzung: möglichst direkt à Infos gehen direkt an Berater*in/ Therapeut*in ohne eigene Anmerkungen

Verhältnis: 3er Konstellation Patient*n, Therapeut*in, Dolmetscher*in à der/die Dolmetscher*in wirkt an der Stärkung des Verhältnisses zwischen Therapeut*in und Patient*in mit.