Heute vor 17 Jahren nahm der Verein refugio thüringen e.V. seine Arbeit auf. Eine kleine Initiativgruppe engagierter Student*innen für Soziale Arbeit an der FH Jena um Professor Wolfgang Behlert hatte sich zum Ziel gesetzt, die zu dem Zeitpunkt eingeschränkte Gesundheitsversorgung geflüchteter Menschen in Thüringen zu verbessern und besonders Überlebende von Flucht und Gewalt adäquat psychologisch, sozialarbeiterisch und psychotherapeutisch zu unterstützen.

In den Jahren 2004 bis 2006 gelang die Anschubfinanzierung für zwei Schlüsselprojekte: Die Gründung des Psychosozialen Zentrums für Geflüchtete und Überlebende von Folter REFUGIO Thüringen in Jena sowie von SPUKU, dem Sprach- und Kulturmittler*innen-Pool (dem Vorgänger von Sprint-Pool in Erfurt). Beide Projekte sind „erwachsen“ geworden, haben sich trotz mancher Finanzierungsengpässe gut etabliert und ausgeweitet.

REFUGIO Thüringen hat in den vergangenen Jahren abseits von der Regelversorgung Hunderte Klient*innen psychotherapeutisch betreut und aufenthaltsrechtlich beraten. Trotz sinkender Zahlen an Geflüchteten erweist sich der Bedarf an traumatherapeutischer Behandlung und psychosozialer Beratung als gleichbleibend hoch. In den vergangenen Monaten der Pandemie waren unsere Klient*innen besonders von der Distanz und den Einschränkungen betroffen und doch weniger im Blick der gesellschaftlichen Solidarität: Psychisch belastet, teilweise mit noch geringen Deutschkenntnissen, in beengten Gemeinschaftsunterkünften mit häufiger Quarantäne, betroffen von eingeschränkten Beratungsangeboten, häufig durch Kurzarbeit und Kündigungen existentiell belastet, oft in großer Sorge um ihre Angehörigen in den Herkunftsländern und auf Fluchtwegen. Das bedeutet neben der häufigen Traumafolge-Symptomatik verschärfte äußere Belastungen, soziale Problemlagen sowie Ausgrenzung und Aufenthaltsunsicherheiten.

Wir erleben in den Feedbacks der Klient*innen und ihrer Familien, wie sehr REFUGIO für sie ein sicherer Ort ist und wie wichtig es war, die Beratungs- und Therapieangebote trotz der Pandemie kontinuierlich und mit allen Mitteln aufrecht zu erhalten.

Bislang realisierte der Trägerverein refugio thüringen e.V. das ganzheitliche Angebot des PSZ von Psychotherapie über Sozialberatung, Körpertherapie, Kunsttherapie und Gruppenarbeit weitgehend über diverse Projekte, die durch staatliche und nichtstaatliche Fördermittelgeber*innen sowie Spendengelder finanziert wurden. Ein Ziel ist, zukünftig in einem noch stärkeren Maße Teil der psychotherapeutischen Regelversorgung für Geflüchtete zu werden. Gerade hat der Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen die seit 2017 bestehende Institutsermächtigung zur Abrechnung von Therapieleistungen um zwei weitere Jahre verlängert.

An dieser Stelle bedanken wir uns für die Unterstützung unserer Arbeit, insbesondere für das vielfältige ehrenamtliche Engagement, die hilfreichen Spenden, Ihre Solidarität und Verbundenheit sowie für Ihre Vereinsmitgliedschaft. Wir freuen uns und sind unserem Verein refugio thüringen e.V. dankbar für seine Kontinuität und Verlässlichkeit.