Hinweise zur Arbeit mit Dolmetschenden

Eine besondere Herausforderung in der Psychotherapie mit geflüchteten Menschen ist häufig die Sprache. Können sich Therapeut*in und Patient*in nicht fließend auf einer gemeinsamen Sprache unterhalten, muss für eine gelingende Therapie ein*e Dolmetscher*in hinzugezogen werden.Viele Therapeut*innen sind anfangs skeptisch, was eine „Psychotherapie zu dritt“ angeht. Erfahrungen zeigen jedoch, dass eine gut aufeinander abgestimmte Arbeit zwischen Therapeut*in und Dolmetscher*in eine erfolgreiche Psychotherapie ermöglicht.

Die Behandlung kann nur so gut sein, wie die Dolmetscher*innen ihren Übersetzungstätigkeiten nachkommen. Ein Einsatz von geschulten Sprach- und Kulturmittler*innen ist unbedingt erforderlich, keine übersetzenden Verwandten oder Bekannten!

Die professionelle Sprachmittler*in trägt maßgeblich dazu bei, eine vertrauensvolle Grundlage zu schaffen. Sie gibt den Sprechinhalt wieder und bezieht kulturelle Dimensionen in das Gespräch mit ein. Sie kennt die Perspektive der Berater*in und der Klient*in und kann beide in ein Verhältnis zueinander setzen.

 

 

 

Aus unserer langjährigen Erfahrung sind in der Arbeit mit Sprach- und Kulturmittler*innen folgende Faktoren zu beachten:

Hintergründe kultureller Konnotationen weitergeben.

Inhalt: Möglichst nahe am Inhalt übersetzen, der Inhalt ist wichtiger als die korrekte grammatische Übersetzung.

Kurz: Um kurze Sätze bitten!

Vorgespräch mit Dolmetscher*in vor Einsatz durchführen- gegenseitiges Kennenlernen, Dolmetscher*in soll über Inhalt bzw. Ziel der Beratung/ Therapie informiert werden.

Die Verantwortung der Gesprächsführung liegt bei Therapeut*in!

Rollenklärung im Erstgespräch: Alle Infos sind für Therapeut*in bestimmt à „Ich werde alles was Sie sagen, weitergeben, weil es meine Pflicht ist!“.

Nachfrage: Wie kommt Klient*in mit Übersetzung zu Recht?

Zurückgeben: Wenn Klient*in etwas nicht versteht à Therapeut*in erklärt und antwortet- nicht Dolmetscher*in!

Unparteilichkeit: Dolmetscher*in darf nicht zum „Verbündeten“ der Klient*in werden à Nachfragen: Warum soll etwas nicht übersetzt werden?

Nachbesprechung: Zeit nehmen zum Nachbesprechen der Therapiesitzung! Wo gab es Verständnisschwierigkeiten? Gab es kulturelle Aspekte, die im Gespräch eine Rolle gespielt haben?

Übersetzung: möglichst direkt à Infos gehen direkt an Berater*in/ Therapeut*in ohne eigene Anmerkungen

Verhältnis: 3er Konstellation Patient*n, Therapeut*in, Dolmetscher*in à der/die Dolmetscher*in wirkt an der Stärkung des Verhältnisses zwischen Therapeut*in und Patient*in mit.

 

weiterführende Informationen:

Wir empfehlen den Reader von NTFN „Psychotherapie zu Dritt“, in dem praxisnahe Tipps und Hinweise zu der Arbeit mit Dolmetscher*innen in der Therapie gegeben werden. Von der Antragsstellung für Therapie, der Beantragung der Übernahme von Dolmetscher*innenkosten bis hin zu Präventionsmaßnahmen von Sekundärtraumatisierung von Dolmetscher*innen ist dort viel zu finden.

 

Die Krankenkassen übernehmen keine Kosten für in einer ambulanten Psychotherapie benötigte Dolmetscher*innen. Dies hat sich auch mit Einführung der elektronischen Gesundheitskarte in Thüringen nicht geändert. Über die Bewilligung einer Kostenübernahme von Dolmetschleistungen entscheiden weiterhin die Sozialämter. Leider gibt es hierfür keine eindeutigen gesetzlichen Regelungen. Die Entscheidung liegt in den Händen der einzelnen Behörden. Je nach Aufenthaltsstatus der beantragenden Person ist bei der Beantragung der Kostenübernahme auf unterschiedliche Gesetzesparagraphen zu verweisen.

  • Asylbewerber*innen, die weniger als 15 Monate in Deutschland sind (noch im Verfahren, mit Duldung und ausreisepflichtige Ausländer*innen)

Für diese Gruppe kann unter Bezug auf §§ 4 und 6 AsylbLG die Kostenübernahme von Dolmetschleistungen beantragt werden. Einen entsprechenden Vordruck finden Sie hier:

Vorlage unter 15 Monaten

 

  • Asylbewerber*innen, die länger als 15 Monate in Deutschland sind (noch im Verfahren, mit Duldung und ausreisepflichtige Ausländer*innen) und Analogleistungen nach § 2 AsylbLG beziehen

Für diese Gruppe kann unter Bezug auf § 73 S. 1 SGB XI  die Kostenübernahme von Dolmetschleistungen beantragt werden. Einen entsprechenden Vordruck finden Sie hier:

Vorlage über 15 Monate

 

  • Anerkannte Asylbewerber*innen im ALGII-Bezug (Geflüchtete mit Asylrecht, Flüchtlingsstatus, subsidiärer Schutz)

Hier kann im Einzelfall versucht werden, über § 21 Abs. 6 SGB II eine Kostenübernahme als Mehrbedarf beim Jobcenter oder Sozialamt zu beantragen. Einen entsprechenden Vordruck finden Sie hier:

Vorlage Antrag Jobcenter

 

Es gibt verschiedene Anlaufstellen für kompetente Sprach- und Kulturmittler*innen:

SprIntpool Thüringen

Telefon: 0361-511 500 21
Mobil: 0176-6361 4240
Fax:
0361-511 500 29
E-Mail: sprintpool@ibs-thueringen.de

SprIntpool vermittel schnell und unkompliziert Sprachmittler*innen für 29 verschiedene Sprachen und Dialekte. Mehr Infos finden Sie unter www.ibs-thueringen.de/project/sprintpool-thueringen/

Videodolmetschen

Das Landesprogramm Dolmetschen des Landes Thüringen bietet sozialen Einrichtungen, Behörden, Kliniken und vielen mehr die Möglichkeit, kostenlos und schnell auf Videodolmetscher*innen zuzugreifen. Informationen über das Programm und ob Sie zur Nutzung berechtigt sind finden Sie unter: FAQ Landesprogramm Dolmetschen

Sprach- und Kulturmittler*innen von REFUGIO

Auch wir von REFUGIO Thüringen haben mittlerweile einen großen Pool an Sprach- und Kulturmittler*innen, welche Übersetzungserfahrung im psychotherapeutischen Setting besitzen. Für weitere Fragen stehen wir ihnen gerne zur Verfügung.