Internationaler Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung (FGM/C)*

Der 6. Februar ist der „Internationale Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung“. Er erinnert alljährlich daran, um welch schwerwiegende Menschenrechtsverletzung es sich hierbei handelt. Betroffene Frauen leiden oft unter lebenslangen Schmerzen und gesundheitlichen Problemen. Ihnen wird ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit und sexuelle Selbstbestimmung genommen.

Weltweit sind über 200 Millionen Frauen von einer Genitalbeschneidung betroffen, drei Millionen Mädchen sind davon bedroht. Allein in Deutschland leben 68.000 Frauen, die eine Genitalbeschneidung über sich ergehen lassen mussten. Und 15.000 Mädchen leben in der Angst, dass ihnen eine solche schwere Körperverletzung angetan wird.

Weibliche Genitalbeschneidung wird nicht selten im Haus der eigenen Familie vorgenommen und ist vor allem in westlichen, östlichen und nordöstlichen Regionen Afrikas, in einigen Ländern Asiens sowie im Nahen Osten verbreitet. Infolge von Zuwanderung aus Gebieten, in denen FGM/C praktiziert wird, tritt Genitalverstümmelung vermehrt auch in europäischen Ländern auf. Durch vorübergehende Aufenthalte in den Herkunftsländern sind besonders die Mädchen gefährdet, durch FGM/C verletzt zu werden.

Anlässlich des Gedenktages hat Bundesfrauenministerin Franziska Giffey am 5. Februar 2021 einen Schutzbrief vorgestellt, der Mädchen vor drohender Genitalverstümmelung bewahren soll.

Der Schutzbrief gegen weibliche Genitalverstümmelung informiert über die Strafbarkeit in Deutschland, auch wenn die FGM/C im Ausland vorgenommen wird. Der offizielle Schutzbrief gibt Familien starke und überzeugende Argumente gegen den gesellschaftlichen und familiären Druck im sozialen Umfeld in den Herkunftsländern an die Hand. Er ist über die Websites der beteiligten Ministerien, der Bundesländer sowie mehrerer Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) zum Herunterladen und Bestellen verfügbar.

In der Arbeit von REFUGIO Thüringen taucht das Thema FGM/C häufig im Kontext von Asylverfahren auf. Einerseits gilt FGM/C in Deutschland seit April 2018 nach § 226a StGB als Straftatbestand im Sinne eines Verbrechens. Andererseits werden immer wieder Asylanträge betroffener bzw. von FGM/C bedrohter Mädchen und Frauen abgelehnt. Tabuisierung, Unwissenheit, geringe Expertise unter Entscheider*innen, Mediziner*innen und Jurist*innen sowie das Ausblenden von Traumata und emotionalem Druck auf Seiten der Betroffenen führen häufig zu einer Fehleinschätzung der Situation – mit fatalen Folgen.

REFUGIO Thüringen wird sich weiterhin dafür einsetzen, betroffene oder bedrohte Mädchen und Frauen in der Wahrnehmung ihrer Rechte aufzuklären, sie zu informieren, zu stärken und sie einfühlsam zu begleiten. REFUGIO Thüringen bietet diesen Mädchen und Frauen eine engmaschige psychotherapeutische Unterstützung. Im Sinne der Menschenrechtsarbeit wird REFUGIO Thüringen weiterhin auf struktureller Ebene für die Rechte und Anliegen dieser Mädchen und Frauen eintreten.

ES REICHT NICHT, DARÜBER ZU REDEN. WIR MÜSSEN GEMEINSAM HANDELN!

Dafür möchten wir gern auf folgendes 2minütiges Video aufmerksam machen. Eine Beschreibung dessen, was FGM/C ist und ein eindringlicher Appell zur Solidarität mit betroffenen Mädchen und Frauen:

Video

*FGM/C: Female Genitale Mutilation /Cutting