Menschenhandel

Der Begriff ist im Palermo-Protokoll aus dem Jahr 2000 definiert.

Im Sinne dieses Protokolls

„… bezeichnet der Ausdruck „Menschenhandel“ die Anwerbung, Beförderung, Verbringung, Beherbergung oder Aufnahme von Personen durch die Androhung oder Anwendung von Gewalt oder anderen Formen der Nötigung, durch Entführung, Betrug, Täuschung, Missbrauch von Macht oder Ausnutzung besonderer Hilflosigkeit oder durch Gewährung oder Entgegennahme von Zahlungen oder Vorteilen zur Erlangung des Einverständnisses einer Person, die Gewalt über eine andere Person hat, zum Zweck der Ausbeutung. Ausbeutung umfasst mindestens die Ausnutzung der Prostitution anderer oder andere Formen sexueller Ausbeutung, Zwangsarbeit oder Zwangsdienstbarkeit, Sklaverei oder sklavereiähnliche Praktiken, Leibeigenschaft oder die Entnahme von Organen; …“

Wurden die genannten Zwangsmittel angewendet, ist es unerheblich, ob die Person vorher eingewilligt hat.

Im deutschen Gesetzbuch sind die Definitionen von Menschenhandel und Ausbeutung im Strafgesetzbuch unter folgenden Paragrafen zu finden:

  • § 232 StGB: Menschenhandel
  • §232a StGB: Zwangsprostitution
  • §232b StGB: Zwangsarbeit
  • §233 StGB Ausbeutung der Arbeitskraft
  • §233a StGB: Ausbeutung unter Ausnutzung einer Freiheitsberaubung

Es wird unterschieden zwischen verschiedenen Formen von Menschenhandel:

  • Zur sexuellen Ausbeutung
  • Zur Arbeitsausbeutung
  • Zur Ausbeutung der Bettelei
  • Zur Ausbeutung strafbarer Handlungen
  • Zum Zweck der Organentnahme

In den letzten Jahren konnte man Tendenzen erkennen, in welchen Branchen Menschenhandel häufiger vorkommt:

  • Sexindustrie und Prostitution
  • Pflege
  • Privathaushalte (Haushaltshilfen, Au Pair, …)
  • Gastronomie
  • Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft
  • Fleischverarbeitende Industrie
  • Baugewerbe

Betroffen von Menschenhandel können Menschen jeglicher Herkunft sein. Die Erfahrung der Fachberatungsstellen zeigen, dass die Hintergründe der Betroffenen sehr divers sind und man nicht von einem „typischen Opfer“ von Menschenhandel sprechen kann. So können sowohl Männer*, Frauen* und Kinder jeden Alters von Menschenhandel betroffen sein. Die aktuellen Zahlen der Betroffenen in Deutschland und weitere Informationen können Sie dem Bundeslagebild des Bundeskriminalamtes unter folgendem Link entnehmen: https://t1p.de/xa82

 

 

 

 

Bevor Betroffenen von Menschenhandel adäquate Hilfe angeboten werden kann, müssen diese in einem ersten Schritt als solche erkannt werde. Dies gestaltet sich in der Praxis allerdings schwieriger, als man im ersten Moment annehmen mag. Um diesen ersten Schritt zu erleichtern und Ihnen Hinweise mit an die Hand zu geben, die es ermöglichen, Betroffene von Menschenhandel zu erkennen, finden Sie hier eine Indikatorenliste, die von verschiedenen Organisationen, Behörden und Fachberatungsstellen zusammengestellt wurde. Allerdings darf diese nicht als Checkliste verstanden werden, sondern Hinweise geben, wann es besonders wichtig ist, nachzufragen und sensibel zu agieren. Wir bitten Sie, das Thema Menschenhandel immer im Hinterkopf zu behalten, denn nur wenn wir alle gemeinsam gegen Menschenhandel und für die Betroffenen einstehen, können wir etwas verändern.

Menschenhandel kann zu unterschiedlichen Zwecken erfolgen, wie dem Zweck der sexuellen Ausbeutung (z.B. Personen, die im Bereich Prostitution tätig sind), dem Zweck der Arbeitsausbeutung (Personen, die im Gastronomiebereich, Baugewerbe, im Haushaltsbereich, Pflegebereich, in der Landwirtschaft, im Speditions- und Transportwesen, in der fleischverarbeitenden Industrie, etc. tätig sind), zur Ausbeutung der Bettelei, zur Ausbeutung strafbarer Handlungen sowie zum Zweck der Organentnahme.

Indikatoren:

  • Die Person verfügt nicht über ihre persönlichen Reisedokumente/ Ausweise bzw. gibt es falsche Identitätsausweise
  • Die Person ist nicht in Besitz eines eigenen Handys
  • Ihr stehen kaum finanzielle Mittel zur Verfügung
  • Die Person trägt Spuren von Misshandlungen
  • Mangelnde Orts- und Sprachkenntnisse und Orientierung
  • Die Person hat keine Kenntnisse über ihre Rechte in Deutschland und besitzt keinen Aufenthaltstitel
  • Person wird ständig überwacht bzw. ständig von einer „Beschützerperson“ überwacht
  • Die Person traut sich nicht, offen zu sprechen und scheint instruiert worden zu sein
  • Die Person wirkt unruhig, verängstigt, unsicher, sehr sensibel
  • Die Person versucht zu fliehen
  • Die Person macht einen ungepflegten oder gesundheitlich vernachlässigten Eindruck
  • Die Person erhält keinen/ sehr geringen Lohn und hat keinen Zugang zum Verdienst
  • Die Person hat einen riesigen Schuldenberg bei der/ dem Arbeitgeber*in
  • Es gibt keine finanzielle transparente Abwicklung im Arbeitsverhältnis (keine Quittungen/ Überweisungen)
  • Die Person hat keine freien Tage
  • Die Person erhält keine angemessene medizinische Versorgung
  • Es gibt keinen schriftlichen Arbeitsvertrag sowie keine Kranken- u./o. Sozialversicherung
  • Unklare und schlechte Arbeitsbedingungen
  • Die Person kann die Arbeit nicht beenden und nach Hause fahren, wann sie will
  • Die Person wurde über die Arbeitsbedingungen getäuscht
  • Es gibt für die Person keinen freien Zugang zu Telefon und Internet
  • Die Person wird bedroht/ misshandelt
  • Drohung mit Gewalt/ Erleben von Gewalt
  • Soziale Kontakte werden eingeschränkt

Wichtig! Handeln Sie bei Verdacht auf Menschenhandel immer mit dem Einverständnis der betroffenen Person.

Weisen Sie auf die Möglichkeit der kostenlosen und anonymen (nach Bedarf auch muttersprachlichen) Beratung durch die spezialisierten Fachberatungsstellen hin, diese finden Sie auf der Seite des KOK (Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Menschenhandel) e.V. unter folgendem Link: https://www.kok-gegen-menschenhandel.de/fachberatungsstellensuche