Zum Weltflüchtlingstag 2020 haben wir bei REFUGIO Thüringen eine Pressemitteilung veröffentlich, die wir mit Ihnen im Nachklang des Wochenendes teilen möchten.

Pressemitteilung 20.06.2020 zum Weltflüchtlingstag:

Der Weltflüchtlingstag erinnert alljährlich an die zahlreichen Einzelschicksale von Menschen auf der Flucht. Das psychosoziale Zentrum REFUGIO mit Sitz in Jena bietet psychotherapeutische Behandlung sowie psychosoziale Beratung für traumatisierte und psychisch erkrankte Geflüchtete an und möchte an dieser Stelle besonders auf geflüchtete Männern* und Jungen*, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind, aufmerksam machen.

 

Viele unserer Klient*innen haben sexualisierte Gewalt erlebt und leiden in der Folge unter schwerwiegenden körperlichen, psychischen und sozialen Auswirkungen. Es lassen sich häufig schwerwiegende Traumafolge-Störungen wie Posttraumatische Belastungsstörungen oder Depressionen feststellen. Nicht selten kommt es zu Drogengebrauch und -abhängigkeit oder zu Suizidversuchen. Auch Partner*innen und Familienangehörige sind indirekt durch die Folgen der Gewalt betroffen.

 

Sexualisierte Gewalt gilt anerkanntermaßen als Kriegswaffe und als zerstörerisches Mittel der Unterdrückung und Folter. Opfer sind in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem Frauen. In zahlreichen internationalen Studien sind die schwerwiegenden körperlichen, psychischen und sozialen Auswirkungen für vergewaltigte und missbrauchte Jungen und Männern belegt. Bei REFUGIO Thüringen geben wir auch den betroffenen Jungen* und Männern* eine Stimme. Wir klären über diese weltweite Problematik und die komplexen Folgen für die Betroffenen mit dem Ziel auf, dass sexualisierte Gewalt an Männern und Jungen zunehmend enttabuisiert und als gesellschaftliches Problem wahrgenommen wird. Bei REFUGIO Thüringen bieten wir psychotherapeutische Behandlung sowie psychosoziale Beratung für geflüchtete Männern und Jungen an, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind, und vermitteln auch in spezielle medizinische Betreuung.

 

Der Verein refugio thüringen e. V. unterstützt in diesem Zusammenhang die Initiative des Thüringer Ministers für Migration, Justiz und Verbraucherschutz Adams für eine Landesaufnahmeverordnung für Geflüchtete aus Griechenland und begrüßt die dazu beschlossene Kabinettsentscheidung. Die Mitarbeiter*innen wissen aus der täglichen Beratungsarbeit genau, welche traumatischen Erlebnisse in den Flüchtlingslagern bei den Betroffenen für jahrelangen Schmerz und Verunsicherung sorgen. Dieses aufzuarbeiten, kostet Zeit und viel therapeutisches Können. Mit Unterstützung des Freistaats Thüringen leistet der Verein diese Arbeit und bot in einem Gespräch mit dem Minister diese in der aktuellen Situation dezidiert an.