Am vergangenen Freitag, den 27.10.2017, nahmen sich gleich zwei Minister*innen der Thüringer Landesregierung Zeit, die Räume von REFUGIO Thüringen zu besuchen und mit den Mitarbeiter*innen vor Ort ins Gespräch zu kommen. Von 13.30 Uhr bis 16.00 Uhr informierten sich Ministerin Heike Werner (Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie) sowie Minister Dieter Lauinger (Thüringer Ministerium für Migration, Justiz und Verbraucherschutz) über die Arbeit des Psychosozialen Zentrums für Flüchtlinge in Jena. Mit großem Interesse traten die Vertreter*innen der Ministerien mit den Projektmitarbeiter*innen in den Diskurs über die aktuelle Flüchtlings- und Gesundheitspolitik im Freistaat. Herr Lauinger bedankte sich bei den Kolleg*innen von REFUGIO Thüringen für ihren unentwegten Einsatz für traumatisierte und/oder psychisch erkrankte Geflüchtete. Frau Werner versprach auch weiterhin eine gute Zusammenarbeit und Unterstützung durch das TMASGFF. Neben der Vorstellung der aktuellen Arbeit des Zentrums war auch die Förderung für das Jahr 2017 und 2018 durch die Ministerien Thema sowie aktuelle Entwicklungen, was die gesundheitliche Versorgung und Zusammenarbeit von REFUGIO Thüringen mit den Behörden in den verschiedenen Kommunen angeht.

Frau Werner und Herr Lauinger bekamen am 27.10.2017 Einblick in die aktuelle Statistik des Zentrums: Bis dato wurden durch REFUGIO Thüringen im Jahr 2017 insgesamt 362 Personen therapiert und beraten, darunter waren 190 neue Fälle. 37 Prozent der Klient*innen im Jahr 2017 sind weiblich, 63 Prozent männlich. Unter den Betreuten sind in diesem Jahr 68 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Die Klient*innen des Zentrums kommen aus 31 verschiedenen Ländern, die meisten von ihnen aus Afghanistan (48 Prozent). Hinzu kommen Menschen aus Syrien (11 Prozent), Tschetschenien (7 Prozent), dem Irak (6 Prozent), Eritrea (4 Prozent), Serbien (3 Prozent), der Türkei (3 Prozent) oder aus 24 anderen Herkunftsländern wie Somalia, Albanien, der Elfenbeinküste usw. (18 Prozent).

Zwar konnte im Oktober 2017 ein neuer Standort von REFUGIO mit fünf Mitarbeiter*innen eröffnet werden, jedoch ist der Bedarf an Therapie und Beratung für Flüchtlinge weiterhin hoch. Momentan befinden sich rund 300 dringend behandlungsbedürftige Personen auf der Warteliste des Zentrums. Drei bis sechs Monate müssen die Betroffenen auf ein Erstgespräch warten. Ein großes Problem bleibt die Vermittlung an ansässige Psychotherapeut*innen, um die sich REFUGIO bemüht. Oftmals fehlen vor Ort Dolmetscher*innen oder die Finanzierung dieser wird nicht genehmigt. REFUGIO Thüringen bietet regelmäßig Infoabende für Therapeut*innen, um über die Finanzierung, Abrechnung und Besonderheiten der Therapie von traumatisierten Flüchtlingen zu informieren. Des Weiteren stehen Mitarbeiter*innen des Zentrums bei Veranstaltungen, Schulungen und Workshops von Organisationen, Behören, Bildungsinstitutionen, Kliniken o.ä. als Expert*innen zu Themen wie „Flucht und Trauma“ Rede und Antwort.

Foto: Hagen Bottek