Queer & Flucht

 

Seit 2015 wird geschlechtsspezifische Verfolgung in Deutschland als Asylgrund anerkannt. Darunter fallen sowohl Formen sexueller Gewalt, als auch die Diskriminierung auf Basis des Geschlechts – seit 2013 wird ebenfalls Homosexualität als Asylgrund anerkannt, wenn diese in den Herkunftsländern unter Strafe steht. Menschen, denen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität Menschenrechtsverletzungen bzw. mangelnde gesellschaftlicher Anerkennung widerfährt, soll Asyl zugesprochen werden.

 

Die Beratungssituation mit geflüchteten LGBTIQA* bedarf einer besonderen Sensibilität. Queere Geflüchtete sind häufig in Gesellschaften aufgewachsen, in denen LGBTIQA* diskriminiert werden – sie haben teilweise massive Gewalterfahrungen gemacht. Misstrauen ist eine Kompetenz, die viele Geflüchtete mitbringen. Es schützt sie vor weiteren Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen. Das Verschweigen der sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität schafft eine Unsichtbar­keit, welche für viele die einzige Schutzmöglichkeit ist und überlebenswichtig sein kann.

Auch im Zielland erfahren Queers Diskriminierungen und Anfeindungen. So berichten die meisten geflüchteten LGBTIQA*-Personen, die sich in einer Unterbringungseinrichtung ge­outet haben oder von anderen geoutet wurden, von verbaler und/oder körperlicher Gewalt. In der unterstützenden Arbeit ist es somit wichtig, diese Aspekte der Mehrfachdiskriminierung mitzudenken und den besonderen Schutzbedarf dieser Menschen anzuerkennen. Es braucht Geduld und Verständnis in der Arbeit mit geflüchteten LGBTIQA*.

 

 

Wir stellen Informationen zu folgenden Themen zur Verfügung:

– Anlaufstellen für Gutachten und Geschlechtsangleichungen

– Gendersensible medizinische, psychiatrische und rechtliche Versorgungsstrukturen

Themen unserer Beratungsarbeit:

– Fragen rund um das Asylverfahren

– Möglichkeiten geschlechtsangleichender Maßnahmen und adäquater medizinischer Versorgung

– Unterbringungsmöglichkeiten für besonders schutzbedürftige Personengruppen

– Zusammenarbeit mit spezialisierten Mediziner*innen, Rechtsanwält*innen und geschulten Dolmetscher*innen

Für Trans*Geflüchtete gibt es ein selbstorganisiertes Gruppenangebot, um in den Austausch zu kommen. Weitere Informationen sind hier zu finden.

Wir unterstützen Multiplikator*innen, beruflich & ehrenamtlich Aktive gerne bei Fragen zu der Verknüpfung von Queer & Flucht. Anfragen bitte an protectionagainstviolence@refugio-thueringen.de stellen.

 

 

 

bff Borschüre: „ Wir wollen Sicherheit. Anregungen für eine gender- & fluchtsensible Praxis mit geflüchteten Frauen*“. Online verfügbar unter: https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/broschueren-und-buecher/brosch%C3%BCre-wir-wollen-sicherheit.html

Küppers, C., & Hirschfeld, B. M. (Eds.). (2019). Refugees & Queers: Forschung und Bildung an der Schnittstelle von LSBTTIQ, Fluchtmigration und Emanzipationspolitiken (Vol. 17). transcript Verlag.

Lesben- und Schwulenverband. LSBTI* Sensibler Gewaltschutz für Geflüchtete. Leitfaden für die Praxis. Online verfügbar unter: https://www.queer-refugees.de/lsvd-veroeffentlicht-praxisleitfaden-zum-schutz-lsbti-gefluechteter-in-unterkuenften/