Am Freitagabend gab es in der Erfurter Straßenbahn einen rassistischen Angriff auf einen Jugendlichen, der in einem Video dokumentiert wurde. Wir sind entsetzt, wütend und traurig über diesen Übergriff und die Brutalität des Täters und stehen solidarisch mit der betroffenen Person. Die Angst, solche Situationen selbst erleben zu müssen ist die Realität vieler Menschen in Erfurt, anderenorts in Thüringen und ganz Deutschland. Geflüchtete, die sich in Deutschland als Land ohne Krieg und Verfolgung sicher glaubten, sind hier nicht selten rassistischen verbalen oder physischen Angriffen ausgesetzt. Hinzu kommt die Erfahrung mit diesen Angriffen oft allein gelassen zu werden – wie das auch in der Situation am Freitag der Fall war. Diese Erfahrungen können extrem belastend sein, bedeuten für Betroffene das Erleben ausgeprägter Gefühle von Ohnmacht und Hilflosigkeit. Die Folgen rassistischer Übergriffe sind nicht erst seit jüngster Zeit Thema in Beratung und Therapie im Psychosozialen Zentrum REFUGIO. Viele unsere Klient*innen berichten von wiederholten Erfahrungen mit sog. Alltagsrassismus bei Behördengängen, auf der Straße oder während der Berufstätigkeit. Aber auch konkrete Übergriffe, wie am vergangenen Freitag, sind keine Seltenheit. Die körperlichen und insbesondere psychischen Folgen sitzen oft tief und verursachen nachhaltige Verletzungen, welche oftmals von außen vorerst nicht sichtbar sind. Wir sind alle dafür verantwortlich ein gesellschaftliches Klima zu schaffen, in welchem Menschen ohne Angst mit der Bahn nach Hause fahren können, sich wohin und wann sie wollen frei im öffentlichen Raum bewegen können. Dafür braucht es u. a. konsequentes Handeln durch Polizei und Justiz nach Vorfällen rechter Gewalt, Präventions- und Schutzkonzepte (z.B. für öffentliche Verkehrsmittel) und solidarisches Handeln von Zeug*innen rassistischer Angriffe. Wir schließen uns zudem den Forderungen des MigraNetz Thüringen bezüglich der konkreten Etablierung von Maßnahmen durch Stadt und Land zur Prävention und Intervention bei rassistischen Übergriffen auf allen Ebenen an.

Wenn du solche Situationen erlebst oder befürchtest zu erleben, sprich darüber. Du bist nicht allein! Du bist kein Einzelfall! Mit anderen darüber zu sprechen kann dir helfen die Erfahrungen zu verarbeiten und dich für womöglich kommende Situationen zu stärken. Du kannst mit anderen gemeinsam darüber sprechen, was ihr machen könnt, damit du dich sicherer fühlst. Wenn du dich in einer akuten Situation unwohl fühlst, sprich Leute um dich herum an! Hast du bereits rechte Gewalt erlebt, kannst du dich an ezra, die Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Thüringen wenden. Sie unterstützen dich. Wenn du nicht von Rassismus betroffen bist, achte auf dein Umfeld. Sei wachsam! Höre Betroffenen zu und stehe ihnen bei. Biete an, Wege gemeinsam zu gehen oder zu fahren. Wenn du Zeug*in von rechten Übergriffen wirst, schaue nicht weg. Beachte dabei, dass es darum geht, die Situation für die betroffene Person zu verbessern und nicht um deine eigene Heldenhaftigkeit. Jede Situation ist unterschiedlich und Handlungsoptionen sind in jeder Situation neu abzuwägen. Die Amadeu Antonio Stiftung hat 10 Tipps zusammengestellt, was bei der Beobachtung eines rassistischen Angriffs getan werden kann. Detaillierte Infos zum Angriff am vergangenen Freitag sind hier zu finden: Link.