Nicht nur Frauen werden Opfer sexualisierter Gewalt, auch Männer* und Jungen* sind betroffen – mit und ohne Fluchterfahrung. Das beiliegende Poster soll sowohl Fachkräfte auf das Thema aufmerksam machen wie auch Betroffene ansprechen. Der deutsche Titel ist in Englisch, Französisch, Arabisch, Persisch, Russisch, Albanisch, Bosnisch/Kroatisch, Somali, Türkisch und Tigrinja übersetzt. Im Fokus unseres Projekts in Thüringen steht die psychotherapeutische Behandlung und psychosoziale Beratung von traumatisierten geflüchteten Männern* und Jungen*, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind. Unsere Angebote werden durch geschulte Sprach- und Kulturmittler*innen unterstützt. Neben der ganzheitlichen Behandlung der Betroffenen im Psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge (PSZ) sollen Fachkräfte, Organisationen und Behörden für das Thema sensibilisiert werden und so durch gezielte Informations- und Netzwerkarbeit ein Kapazitätsausbau der Versorgung erreicht werden.

 

Die Erfahrungen im PSZ und die aktuelle Forschung zum Thema zeigen, dass es insgesamt eine hohe Dunkelziffer von Betroffenen gibt. Sexualisierte Gewalt gilt anerkanntermaßen als Kriegswaffe und als zerstörerisches Mittel der Unterdrückung und Folter. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl dokumentierter Fälle von sexualisierter Gewalt gegen Männer in der ganzen Welt: so in Chile, Griechenland, Liberia, Iran, Lybien usw. Beispielsweise zeigten Befragungen von 6.000 männlichen* Häftlingen bosnischer Konzentrationslager während des Jugoslawienkriegs, dass 80% von ihnen vergewaltigt wurden. Sexualisierte Gewalt an Männern geschieht (1) als Kriegswaffe, (2) als Foltermethode, (3) im Kontext von Entführungen oder als Zwang im Heimatland, (4) als sexueller Missbrauch und Prostitution auf der Flucht und (5) auch in Asylunterkünften in Deutschland. Sexualisierte Gewalt an Männern* und Jungen* zielt generell auf eine Erniedrigung und Demütigung, auf eine psychische und physische Zerstörung sowie auf eine Feminisierung der Person.

 

Sexualisierte Gewalt an Männern* und Jungen* hat schwerwiegende körperliche, psychische und soziale Auswirkungen. Es gibt hohe Raten von schweren Traumafolge-Störungen wie PTBS, Depressionen, Affektiven und Somatoformen Störungen. Häufig kommt es zu Drogengebrauch und -abhängigkeit oder zu Suizidversuchen. Partner*innen und Familienangehörige sind indirekt durch die Folgen der Gewalt betroffen. Innerfamiliäre Konflikte sind keine Seltenheit.

Wir würden uns freuen, wenn Sie das Plakat aushängen, weitergeben und offen sind für betroffene Männer* und Jungen*, die Hilfe suchen.