Im Frühjahr 2017 startete der Spendenaufruf „Familiennachzug – Wenn das Wahrnehmen von Rechten an finanzielle Mittel gebunden ist“:

J. ist ein junger Geflüchteter aus Syrien und kommt aus einer vom sogenannten IS umkämpften
Region im Norden des Landes. Durch einen Luftangriff wurde er schwer verletzt und verlor ein Auge.
Wegen der bis heute dort anhaltenden Kämpfe verließ er seine Heimat und kam 2015, damals als
15-Jähriger, allein nach Deutschland. Der Vater starb, als J. im Krankenhaus war. Wegen der – in der
Türkei zurückgebliebenen – Mutter macht er sich große Sorgen. Der Tod des Vaters und die
Trennung der Mutter stellt eine starke emotionale Belastung für den Jungen dar.
Aufgrund seiner psychischen Folgeprobleme ist er im Psychosozialen Zentrum REFUGIO
Thüringen in Behandlung. (…) Mittlerweile ist J. 17 Jahre alt und besucht ein Jenaer Gymnasium. Er spielt in seiner Freizeit Gitarre
und hat den Traum, später Friseur zu werden. Er wünscht sich jedoch nichts sehnlicher, als seine Mutter wiederzusehen und zu wissen, dass
sie ebenfalls außer Gefahr ist. Legale und ungefährliche Fluchtwege nach Deutschland gibt es nicht.
Die einzige Chance, die Familie wieder zusammen zu führen, bietet der Familiennachzug.
Das Recht, die Eltern nach Deutschland zu holen, haben nach §36 Aufenthaltsgesetz aber nur
minderjährige Geflüchtete. Das heißt, die einzig legale Möglichkeit seine Mutter nach Deutschland zu
holen, erlischt mit seinem 18. Geburtstag. Deswegen setzen wir jetzt alles in Gang, J. beim
Familiennachzug zu unterstützen. Dies ist mit erheblichem Aufwand verbunden. Neben bürokratischen Hürden, wie monatelangen
Wartezeiten für einen Termin bei der deutschen Botschaft in der Türkei, müssen auch finanzielle
Hindernisse überwunden werden. Dabei kommen unter anderem für die Dokumentenbeschaffung,
die Übersetzung der Geburtsurkunde, den Termin bei der Botschaft, das Visum und die Reisekosten
Die Tatsache, dass die Wahrnehmung von Kinderrechten an die finanzielle Lage der Familie
geknüpft ist, stellt dabei eine große Ungerechtigkeit dar.

Durch den Spendenaufruf konnten insgesamt 3.300€ generiert werden.

Wir danken allen Unterstützer*innen im Namen von J. von ganzen Herzen!

Leider war es uns nicht möglich, trotz Passbeschaffung den Familiennachzug fristgerecht zu realisieren. Die bürokratischen Hürden vor Ort, im Herkunftsland und in Deutschland haben in den letzten Monaten sowohl J. als auch seiner verwitweten Mutter in der Türkei viel Kraft abverlangt. Die Mitarbeiter*innen von REFUGIO Thüringen haben von Deutschland aus alles versucht, im den Prozess voranzubringen. Am Ende verhinderte jedoch der (Zeit-) Druck des Verfahrens und die schwierigen Rahmenbedingungen in der Türkei und in Syrien die Erstellung aller notwendigen Dokumente.

Die verbliebenen Spendenmittel werden im Rahmen der Beratung bei REFUGIO Thüringen weiterhin für die Unterstützung der Klient*innen zum Familiennachzug verwendet. Allerdings bleibt die Möglichkeit des Familiennachzugs vielen unserer Klient*innen komplett versperrt. Daher fordern wir: Familiennachzug für alle Flüchtlinge gewährleisten!

Weitere Informationen finden Sie auch bei unseren Kooperationspartnern:

Pressemitteilung des Flüchtlingsrat Thüringen e.V.

Pressemitteilung der Diakonie Mitteldeutschland