Sexualisierte Gewalt an geflüchteten Männern* und Jungen*

Versorgung, Vernetzung, Qualifizierung

Projektlaufzeit: 1.7.- 31.12.2018

Sexualisierte Gewalt gilt anerkanntermaßen als Kriegswaffe und als zerstörerisches Mittel der Unterdrückung und Folter. Opfer sind in der öffentlichen Wahrnehmung stereotyp vor allem Frauen*. Lara Stemple veröffentlichte 2009 eine der ersten Studien, die sexuell motivierte Verbrechen an Männern* explizit mit einbeziehen (Quelle: Lara Stemple, 2009: Male Rape and Human Rights. Hasting Law Journal, 60: S. 605-647). Eine Vielzahl dokumentierter Fälle von sexualisierter Gewalt in der ganzen Welt wurden aufgezeigt, so in Chile, Griechenland, Liberia, Iran. Im Osten Kongos wurden beispielsweise 1.000 Haushalte befragt: mit dem Ergebnis, dass 30% der Frauen* und 22% der Männer* selbst erlebte sexuelle Übergriffe während des Kriegs bekannten. Befragungen an 6.000 männlichen* Häftlingen bosnischer Konzentrationslager während des Jugoslawienkriegs ergaben, dass 80% von ihnen vergewaltigt wurden. 76% der in Gefangenschaft geratenen Männer* in El Salvador gaben an, sexualisierte Gewalt erlitten zu haben; in Sri Lanka waren 21% der in Gefangenschaft geratenen männlichen* Tamilen betroffen.

Sexualisierte Gewalt an Männern* und Jungen* hat schwerwiegende körperliche, psychische und soziale Auswirkungen zur Folge. Die psychischen Auswirkungen sind eklatant, es gibt hohe Prävalenzraten für die Manifestation von schweren Traumafolge-Störungen wie PTBS, Depressionen, Affektiven und Somatoformen Störungen. Häufig kommt es zu Drogengebrauch und -abhängigkeit oder zu Suizidversuchen, teilweise letal (Quelle: WHO, 2013: S.21-28). Partner*innen und Familienangehörige sind indirekt durch die Folgen der Gewalt betroffen. Innerfamiliäre Konflikte sind keine Seltenheit.

Im Fokus des Projekts steht die psychotherapeutische Behandlung und psychosoziale Beratung von traumatisierten Geflüchteten in Thüringen, insbesondere von geflüchteten Männern* und Jungen*, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind. Die zentralen Maßnahmen zur Betreuung und Behandlung der Klient*innen wie Psychotherapie und Sozialberatung werden durch geschulte Sprach- und Kulturmittler*innen unterstützt. Neben der ganzheitlichen Behandlung der Betroffenen im Psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge REFUGIO Thüringen (PsZF) sollen Fachkräfte, Organisationen und Behörden für das Thema sensibilisiert werden und so durch gezielte Informations- und Netzwerkarbeit ein Kapazitätsausbau der Versorgung erreicht werden.

 

Mehr Informationen:

t.b.a.

Dieses Projekt wird gefördert durch die UNO Flüchtlingshilfe e.V.

Dieses Projekt wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.