Umgang mit eigenen Belastungen

Die Arbeit mit geflüchteten Menschen kann sehr belastend sein. Insbesondere für Ehrenamtliche, welche sich häufig zusätzlich zu anderen Verpflichtungen engagieren, kann dieses Engagement einen großen zusätzlichen Druck bedeuten. Die Konfrontation mit schwierigenden Themen wie Traumatisierungen, Diskriminierungen, Abschiebungen oder bürokratischen Hürden lässt die wenigsten Menschen kalt. Im Gegensatz zu Hauptamtlichen haben Ehrenamtliche häufig keine Möglichkeit, in Supervision oder Teambesprechungen professionelle Unterstützung für ihre eigenen Belastungen zu erhalten.

Im Folgenden haben wir einige Hilfsmittel zur Verfügung gestellt, um eigene Belastungen zu erkennen und erste Strategien dagegen zu entwickeln.

Eigene Grenzen erkennen

Ehrenamtliches Engagement im Bereich Flucht kann sehr kräftezehrend sein. Burn-Out oder Sekundärtraumatisierungen sind unter Ehrenamtlichen keine Seltenheit. Hinweise auf eine zu starke Belastung können sein:

  • ungewohnte Trägheit, Unwohlsein, Unlust, Widerwillen im Kontakt mit Geflüchteten
  • Niedergeschlagenheit, Resignation, Aggression, Überdruss und Mutlosigkeit: „Warum mache ich das alles? Hat doch eh keinen Sinn!“
  • Grübeln, im Kreise drehen, nicht abschalten können
  • Gereiztheit
  • Verlust von Interesse an anderen Menschen oder Beschäftigungen
  • Warnsignale des Körpers (psychosomatische Zeichen)
  • Hinweise nahestehender Personen

Es ist wichtig, diese Symptome ernst zu nehmen  und rechtzeitig gegenzusteuern.

Selbstfürsorge

Ausgebranntheit und Belastungen kann etwas entgegen gesetzt werden! Erste Schritte können sein:

  • eigene Bedürfnisse wahrnehmen und sich für diese Zeit nehmen: „ich bin (auch) wichtig“
  • genug schlafen, regelmäßig essen
  • Freiräume und Auszeiten regelmäßig einplanen, Pausen einhalten
  • Nein-Sagen lernen und einsetzen
  • Erfolge feiern und genießen
  • eigene Entspannungs-und Erholungsformen kennen und einsetzen(Badewanne, Sauna, Yoga, Sport, Kinofilm o.ä.)
  • eigene Bedürfnisse nach Aufmerksamkeit, Anerkennung, Zuspruch, Liebe beachten
  • eigene Kraftquellen („Tankstellen“) kennenlernen und nutzen: z.B. Singen, Austausch mit Freund*innen, Glaube, Hobby, etc.

Gehen die Belastungen tiefer und rühren möglicherweise auch an eigene traumatische Erfahrungen, ist es wichtig, sich professionelle Unterstützung zu suchen. Der Austausch mit Hauptamtlichen, Supervision oder Therapie können Möglichkeiten sein. Brauche Sie hierbei Unterstützung, melde Sie sich unter unserer Info-Hotline!

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